Im heutigen iTopnews History blicken wir auf Final Cut zurück, das vor 15 Jahren massiv aktualisiert wurde.
Wahrscheinlich werden viele von euch Final Cut Pro gar nicht nutzen: Das professionelle Videoschnitt-Programm von Apple hat aber eine große Fangemeinde, eine lange Geschichte und trug entscheidend dazu bei, dass Apple sich aus einer schweren Krise kämpfen konnte und von Profi-Anwendern ernst genommen wurde.
Die 27-jährige Geschichte von Final Cut ist eng mit der Geschichte von Apple selbst verwoben – nur wenige Programme werden über so viele Jahre weiterentwickelt und gepflegt. Mit Final Cut sind Blockbuster wie Cold Mountain, The Social Network oder Parasite entstanden.
Keygrip: Final Cut hat seinen Ursprung gar nicht bei Apple
1998 entwickelte das amerikanische Unternehmen Macromedia eine Videoschnitt-Software für Windows unter dem Namen Keygrip. Verantwortlich war Randy Ubillos, der vorher ebenfalls Adobe Premiere entwickelte. Macromedia wollte sich allerdings stärker auf zukunftsträchtige Web-Software konzentrieren, weshalb sie das Projekt an Apple abgaben. Randy Ubillos wechselte somit ebenfalls zu Apple und wurde von Steve Jobs beauftragt, aus Keygrip eine Videoschnitt-Software für Mac-Profianwender zu bauen, das allerdings einsteigerfreundlich und intuitiv zu bedienen ist.
Apple ging es zu dieser Zeit nicht gut: Die Mac Verkaufszahlen sanken die Jahre davor und das Vertrauen in den Mac mussten neu aufgebaut werden. Gerade war der iMac gestartet und Apple begann im Heimanwendermarkt wieder Fuß zu fassen. Doch die wichtigen Profianwender mussten mit besseren Computern und passender Software noch überzeugt werden.

Final Cut entwickelt sich zum Kaufargument für den Mac
1999 stellte Apple die erste Version von Final Cut Pro 1.0 vor. In Kombination mit QuickTime zum Abspielen von Videos und erschwinglichen neuen Pro-Macs wie dem Power Macintosh G4 mit FireWire-Anschluss wurde professioneller Videoschnitt plötzlich deutlich günstiger möglich. Die ersten Profianwender stellten sich die Frage, ob der Mac nicht doch wieder eine gute Wahl ist.
In den 2000ern wurde Final Cut bei Indie-Filmemachern, Dokumentarfilmern und Musikvideo-Produzenten immer beliebter. Mit dem Videoschnitt-Programm konnte man viele digitale und analoge Videoformate schneiden und auch Videoplayer für Betacam sowie DV Videokameras anschließen. 2002 gewann Apple mit Final Cut sogar einen Emmy für dessen Einfluss auf die TV-Produktion.
Zum günstigeren Preis mit abgespeckten Funktionen erschien der Ableger Final Cut Express. Mit Version 4.5 (Final Cut Pro HD) konnten 2004 auch HD-Videos verarbeitet werden. 2006 wurde das Programm zusammen mit DVD Studio Pro, Apple Soundtrack, Cinema Tools, LiveType, Compressor und Motion zu Final Cut Studio zusammengefasst. Über die Jahre erhielt Final Cut immer wieder Unterstützung für neue Dateiformate, Standards und Kameras. Die Bedienung war für Einsteiger gut zu lernen und bot dennoch Profianwendern viele Möglichkeiten und Funktionen.

Vor 15 Jahren: Final Cut Pro X erscheint
Den größten Umbau erlebte Final Cut am 21. Juni 2011, vor 15 Jahren gab es den „Final Cut“: Final Cut Pro X erscheint als komplette Neuentwicklung zu einem günstigeren Preis von 299 Dollar. Die Magnetic Timeline fügt einzelne Clips automatisch zusammen, was Zeit spart, vielen Profianwendern aber nicht gefiel. Das und die fehlende Unterstützung von Projekten älterer Final Cut Versionen sowie der Wegfall einiger Funktionen machten Final Cut Pro X zunächst umstritten. Das Hintergrundrendering, das ein viel flüssigeres Arbeiten ermöglichte und die Einführung neuer Funktionen in vielen Updates, linderte den Frust.
Im Laufe der Jahre wurden bereits viele Filme – darunter auch große Blockbuster – mit Final Cut geschnitten. Da wären Focus mit Will Smith, Cold Mountain, The Social Network, Der seltsame Fall des Benjamin Button, Parasite, X-Men Origins: Wolverine und viele mehr. Seit 2023 gibt es Final Cut auch als App für das iPad und seit Anfang des Jahres ist Final Cut Pro Teil des Apple Creator Studio.
Kaum eine Software wurde so lange gepflegt und hat bereits so viele Projekte realisiert wie Final Cut. Das Videoschnitt-Programm ist seit vielen Jahren nicht mehr im Fokus, erhält aber still und leise die Neuerungen, die professionelle Cutter benötigen. Viele haben Angst, dass Final Cut zukünftig nur noch im Abo erhältlich sein könnte und neue KI-Funktionen die Kreativität einschränken. Ob Apple den Spagat zwischen professioneller und dennoch einfacher Arbeitsweise auch zukünftig beibehalte kann, wird sich zeigen.
Hinweis: Artikel enthält Affiliate-Links. Was ist das? Bild: Apple
