Kinder unter 13 Jahren könnten künftig EU-weit keinen eigenständigen Zugang mehr zu sozialen Netzwerken erhalten.
Ein von der Europäischen Kommission eingesetztes Expertengremium empfiehlt eine verbindliche Altersgrenze und einen schrittweisen Einstieg in digitale Plattformen. Damit will die EU Minderjährige besser vor problematischen Inhalten, manipulativen Mechanismen und möglichen gesundheitlichen Folgen einer intensiven Nutzung schützen.
Gesetzesvorschlag könnte noch 2026 folgen
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte die Empfehlungen gemeinsam mit Fachleuten in Brüssel vor. Die Kommission will den Bericht nun auswerten und nach der Sommerpause konkrete Vorschläge präsentieren.
Ein Gesetzesentwurf könnte noch bis Ende 2026 folgen. Bislang handelt es sich daher nicht um eine beschlossene Regelung, sondern um eine fachliche Grundlage für mögliche neue EU-Vorgaben.
Kein eigenständiger Zugang unter 13 Jahren
Nach dem vorgeschlagenen Modell sollen Kinder unter 13 Jahren soziale Netzwerke grundsätzlich nicht selbstständig nutzen dürfen. Ausnahmen könnten möglich sein, wenn Eltern oder andere Erziehungsberechtigte die Nutzung begleiten und kontrollieren.
Plattformen müssten außerdem nachweisen, dass ihre Angebote für Minderjährige geeignet sind und ausreichende Schutzmaßnahmen bieten.
Mehr Freiheiten mit zunehmendem Alter
Ab dem 13. Geburtstag soll der Zugang nicht automatisch vollständig freigegeben werden. Stattdessen schlagen die Experten ein stufenweises System vor.
Jugendliche könnten mit zunehmendem Alter mehr Freiheiten erhalten, sofern die jeweiligen Dienste altersgerechte Inhalte, wirksame Sicherheitsfunktionen und einen angemessenen Datenschutz gewährleisten. Die digitale Selbstständigkeit soll damit schrittweise wachsen.
Unterschiedliche Regeln je nach Altersgruppe
Das Expertengremium unterscheidet mehrere Entwicklungsphasen. Für Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr wird empfohlen, vollständig auf Bildschirmmedien zu verzichten. Im Alter zwischen drei und zwölf Jahren sollten internetfähige Geräte und soziale Netzwerke nur zeitlich begrenzt sowie unter Aufsicht der Eltern oder im Rahmen pädagogischer Angebote genutzt werden.
Bei Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren rückt dagegen die zunehmende Eigenverantwortung in den Mittelpunkt. Die Fachleute sehen die Entwicklung von Selbstständigkeit als wichtigen Bestandteil dieser Lebensphase. Ein vollständiger Ausschluss älterer Jugendlicher sei deshalb nicht das Ziel. Vielmehr gehe es darum, den Zugang an das Alter und die persönliche Entwicklung anzupassen.
Experten warnen vor möglichen Belastungen
Als Gründe für strengere Regeln werden unter anderem Schlafprobleme, psychische Belastungen, nachlassende schulische Leistungen und die Konfrontation mit ungeeigneten Inhalten genannt.
Kritisch bewertet werden zudem Funktionen, die Nutzer möglichst lange auf einer Plattform halten sollen. Dazu gehören etwa endloses Scrollen, automatische Videoempfehlungen oder ständig neue Benachrichtigungen.
Auch Eltern bleiben in der Verantwortung
Von der Leyen erklärte, der bisherige Umgang mit sozialen Netzwerken könne nicht allein den großen Technologieunternehmen überlassen werden. Viele Eltern beobachteten bereits negative Auswirkungen der intensiven Online-Nutzung. Gleichzeitig betonte sie, dass auch Familien weiterhin Verantwortung tragen und beispielsweise selbst entscheiden müssten, wann Kinder ihr erstes Smartphone erhalten.
Einheitliche Regeln für die gesamte EU
Eine EU-weite Regelung könnte außerdem die bislang unterschiedlichen nationalen Ansätze vereinheitlichen. Mehrere Länder beschäftigen sich bereits mit verbindlichen Altersgrenzen oder strengeren Vorgaben für Minderjährige. Österreich plant beispielsweise eigene Einschränkungen für Kinder unter 14 Jahren und will zunächst an diesem Vorhaben festhalten.
Alterskontrolle bleibt eine Herausforderung
Offen bleibt, wie eine Altersgrenze technisch kontrolliert werden könnte. Viele soziale Netzwerke verlangen zwar bereits ein Mindestalter von 13 Jahren, überprüfen die Angaben bei der Registrierung jedoch nur unzureichend.
Neue Regeln wären daher nur wirksam, wenn Plattformen das Alter zuverlässig feststellen könnten. Gleichzeitig müssten Datenschutz und Privatsphäre gewahrt bleiben.
Entscheidung noch nicht gefallen
Die kommenden Monate dürften zeigen, welche Empfehlungen die Europäische Kommission tatsächlich übernimmt. Sollte ein Gesetzesvorschlag folgen, müssten anschließend auch die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament zustimmen.
Bis zu einer verbindlichen Regelung wäre daher noch ein längerer politischer Prozess notwendig.
Eure Meinung: Ist ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige richtig?
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