Messenger-Verschlüsselung schützt offenbar weniger, als viele Nutzer denken.
Laut einem geleakten Dokument lesen Zoll und BKA bei WhatsApp, Signal und Telegram mit – auch ohne Staatstrojaner. Beim „Account-Cloning“ richten Ermittler über Web- oder Desktop-Funktionen einen Zweitzugang ein.
Der Schlüssel liegt beim Zweitgerät
Zur Freigabe fangen Behörden Bestätigungs-SMS ab oder nutzen kurz ein entsperrtes Smartphone. So lässt sich der Nachrichtenverkehr spiegeln – ähnlich wie bei Phishing-Angriffen.
Auch alte Chats werden sichtbar
Problematisch: Beim Verknüpfen können frühere Chats übertragen werden. Eine Quellen-TKÜ (Telekommunikationsüberwachung) darf nur laufende Kommunikation ab richterlicher Anordnung erfassen.
Ermittlungsbehörden überwachen Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation in Messenger-Diensten wie WhatsApp, Signal und Telegram weit umfassender und unkomplizierter als öffentlich bekannt. Die Messenger sollten eine Funktion einbauen, die das Account Cloning sperrt:… pic.twitter.com/cGs5cY2iMX
— Dr. Michael Spehr (@MicSpehr) September 2, 2026
Juristen sehen schwere Rechtsprobleme
Der Bundesgerichtshof wertet das heimliche Aufschalten als schweren Eingriff in ein IT-System. Juristen halten normale Messenger-Tools für rechtlich heikel.
Beweise könnten vor Gericht kippen
Weil Ermittler alte Daten erhalten und theoretisch Nachrichten im Namen der Zielperson senden könnten, drohen Beweisverwertungsverbote. Fazit: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hilft wenig, wenn ein zweites Gerät ins Konto eingeschleust wird.
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