Wer ständig aufs Display schaut, trainiert sein Gehirn quasi um.
Messenger, soziale Netzwerke und permanente Erreichbarkeit haben unsere Kommunikation verändert. Laut einer Studie der Uniklinik Heidelberg empfinden viele Menschen spontane Telefonate inzwischen als belastend.
Statt sofort zu antworten, bevorzugen sie Nachrichten, die sich in Ruhe lesen und formulieren lassen.
Millennials besonders betroffen
Eine britische Untersuchung mit 500 Büroangestellten zeigte bereits 2019: 62 Prozent leiden unter einer gewissen Anruf-Angst.
Besonders ausgeprägt ist das bei Millennials. 76 Prozent berichten von unangenehmen Gedanken, wenn das Telefon klingelt. Bei den Babyboomern waren es nur 40 Prozent.
Das Gehirn passt sich an
Die Heidelberger Forscher untersuchen, wie exzessive Smartphone-Nutzung die Gehirnaktivität verändert. Frühere MRT-Studien fanden bereits Unterschiede in Struktur und Funktion des Gehirns bei Vielnutzern.
Zudem werden häufiger Ängstlichkeit, geringere Lebenszufriedenheit und die Sorge, etwas zu verpassen („Fear of Missing Out“) beobachtet.
Smartphone-Entzug als Experiment
Aktuell testen die Wissenschaftler, wie sich ein 72-stündiger Verzicht auf das Smartphone auswirkt.
Dabei soll geklärt werden, ob sich sogar kurzfristige Abstinenz messbar auf die Gehirnaktivität auswirkt und einen regelrechten „Suchtdruck“ erzeugt.
Angst ist meist trainierbar
Eine echte Angststörung liegt laut Forscherin Nadine Wolf nicht automatisch vor, wenn jemand Telefonate aufschiebt.
„Problematisch wird es, wenn ich im Alltag Beeinträchtigungen erlebe und merke, das hat wirklich eine Auswirkung auf mein Leben.“
Die gute Nachricht: Durch bewusstes Üben von Gesprächen und sozialen Interaktionen lässt sich die Stressreaktion oft wieder abbauen.
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