Im heutigen iTopnews History erinnern wir an einen der legendärsten Apple-Computer aller Zeiten.
Persönlich unpersönlich, spektakulär geklaut und bahnbrechend gescheitert – der Lisa Computer von Apple ist ein ganz besonderes Stück Technik-Geschichte. Unbekannter als der Macintosh, war der Lisa der erste Computer mit grafischer Benutzeroberfläche von Apple, floppte allerdings so sehr, dass die letzten unverkauften Modelle auf einer Müllhalde entsorgt wurden…
Apple präsentierte den Lisa am 19. Januar 1983 – also genau heute vor 43 Jahren. Wir blicken in iTopnews-History auf den Lisa-Case zurück.
Grafische Benutzeroberfläche: Alles nur geklaut?
Bis Ende der 70er Jahre arbeitete jeder Computer mit einer Kommandozeile, über die man Befehle eingegeben hat. Um eine Tabelle zu bearbeiten, öffnete man mit einem Befehl wie „start visicalc“ das Programm, suchte per Textbefehl die gewünschte Datei und musste per Maustaste oder Tabulator zu der Zeile springen, die man bearbeiten wollte.

So funktionierte der Apple I und auch der erfolgreiche Apple II. 1979 besuchte Steve Jobs das Forschungszentrum Xerox PARC in Palo Alto und sah dort einen Forschungsrechner, auf dem Dateien neben- und untereinander angeordnet waren und man mit einem Eingabegerät arbeitete, das horizontale Bewegungen auf einen vertikalen Bildschirm übertragen konnte: die Maus. Jobs war die Dimension dieser Erfindung bewusst und er ordnete die Entwicklung eines eigenen GUI an.
Was bedeutet eigentlich Lisa? Persönlich unpersönlich
Die Entwicklung des Apple Lisa war alles andere als leicht: Zunächst mussten Ideen für ein völlig neues Bedienkonzept gefunden, realisiert und getestet werden. Apple entwickelte mit Lisa OS ein komplett eigenes Betriebssystem und eigene Programme wie LisaCalc, LisaGraph, LisaDraw, LisaWrite, LisaProject und LisaList. Apple entwickelte den Cursor, einen Schreibtisch, Icons für Dateien und Programme sowie Fenster und einen Papierkorb.
Auch die Maus musste Apple völlig neu gestalten und dabei stark vereinfachen – die ursprüngliche Variante aus dem Xerox PARC hätte 300 Dollar gekostet. Apple senkte die Produktionskosten auf 25 Dollar.
Der Name Lisa steht übrigens offiziell für Locally Integrated Software Architecture – es ist aber ein offenes Geheimnis, dass Steve Jobs den Computer nach seiner Tochter Lisa benannt und dann ein technisch sinnvolles Akronym dazu gesucht hat.

„Bahnbrechend“: Die ersten Tester jubelten
Als Apple den Lisa am 19. Januar 1983 – also genau heute vor 43 Jahren vorstellte – waren die ersten Tester begeistert. Computerzeitschriften schrieben von einer bahnbrechenden Revolution. Die Steuerung des Computers über die Maus anstelle von per Tastatur eingegeben Befehlen galt als nutzerfreundlich und innovativ.
Das Potential der grafischen Benutzeroberfläche und der Maus wurde also bereits früh erkannt. Zwar war der Lisa nicht der Erfinder dieses Konzepts, aber einer der ersten kommerziell erhältlichen Computer, der das sogenannte GUI umsetzte.
Vielleicht hätten sich die Experten damals selbst nicht vorstellen können, dass 43 Jahre später die Computer noch immer nach dem gleichen Schema mit Maus, Cursor, Desktop, Fenstern, Icons und Papierkorb funktionieren.

Zu langsam, zu teuer, verspottet und verschrottet
Trotz des innovativen Bedienkonzepts war der Lisa ein herber Flop für Apple. Das lag im wesentlichen an zwei Dingen: an der Leistung und dem Preis. Apple verkaufte den Lisa für 9.995 Dollar – das entspricht umgerechnet heute 30.000 €.
Der Computer richtete sich somit fast ausschließlich an Firmen. Mit seinem Motorola 68000 Prozessor mit 5 MHz, 512 kB RAM und zwei Diskettenlaufwerken mit je 871 kB Speicher war der Computer relativ langsam. Die grafische Benutzeroberfläche verschlang zu viele Ressourcen.
Am Ende verkaufte sich der Lisa sehr schlecht – ein Jahr später brachte Apple mit dem Macintosh dann einen erschwinglicheren Computer mit grafischer Benutzeroberfläche auf den Markt.
Beim Macintosh lernte Apple aus den Fehlern, die sie beim Lisa begangen. Während der Macintosh langfristig zum Erfolg wurde, saß Apple nach der Einstellung 1986 noch auf 2700 Lisa-Computern, die dann aus steuerlichen Gründen auf einer Müllhalde in Utah vergraben wurden.
Heute werden funktionierende Lisa-Computer für etwa 20.000 Dollar versteigert.
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