Im heutigen iTopnews History erinnern wir an die Zeitung, die Apple extra fürs iPad entwickelt hatte.
Am 15. Dezember 2012 wurde The Daily offiziell eingestellt, also heute vor 13 Jahren. Aber reisen wir zunächst in den Januar 2011: Das erste iPad ist noch auf dem Markt und verkauft sich gut. Das Internet ist bereits weit verbreitet und löst klassische gedruckte Zeitungen immer weiter ab – gerade auf dem großen Screen des iPad lassen sich Online-Zeitschriften (die es kostenlos gibt) bequem lesen. Das Verlagswesen befindet sich gerade im Umbruch und da stellt sich die Frage, wie man gegen die kostenlosen digitalen News-Websites bestehen kann?
The Daily: Als erste Zeitung speziell für das iPad konzipiert
Medienmogul Rupert Murdoch – CEO der News Corporation – entwickelte eine Idee, die nicht gegen den Trend der Digitalisierung ankämpfen, sondern diesen annehmen soll. Es entstand eine Tageszeitung, die ausschließlich digital vertrieben wurde, zunächst exklusiv für das iPad.
„The Daily“ sollte im Januar 2011 erscheinen und die Möglichkeiten des iPad besser nutzen, als jede andere Zeitung zuvor.
Das Projekt setzte auf eine Touchscreen-optimierte Darstellung mit weniger Text, vielen großen Bildern sowie Videos, interaktiven Elementen, Live-Daten, Social-Feeds und mehr. Jeden Tag erschienen bis zu 100 Seiten zum aktuellen Weltgeschehen, Meinungen, Sport, Wetter und mehr. Die Zeitung war ein mutiger Versuch, das Medium auf digitalen Geräten zu etablieren.
Apple entwickelt In-App-Abos zunächst speziell für „The Daily“
Der ursprünglich geplante Start verschob sich vom 19. Januar auf den 2. Februar, weil Apple mit der Entwicklung eines zentralen Systems noch nicht ganz fertig war: In-App-Abos. Es gab schon länger In-App-Käufe, durch die Nutzer digitale Dienste oder Waren direkt in Apps über Apples Provisionsmodell kaufen konnten. Eine Tageszeitung benötigte aber eine Abo-Funktion.
Also hat Apple dieses Feature zunächst speziell für The Daily entwickelt. Der Name Rupert Murdoch hatte für Apple genug Gewicht, um in dieses Projekt zu investieren. Außerdem war klar, dass auch tausende andere Entwickler diese Abo-Funktion nutzen werden. Es entstand im Grunde das In-App-Abo-System, das wir auch heute noch kennen. Mit wiederkehrenden Zahlungen, automatischer Verlängerung und einfacher Kündigung.
Warum „The Daily“ schließlich scheiterte
Das Projekt wurde ganz groß vorgestellt und zunächst auch bejubelt. Andere Verlage kritisierten den Boulevard-Stil der Zeitung, dennoch wurde die multimediale Gestaltung gelobt. Eine einzelne Zeitung kostete 14 Cent, eine Woche 0,99 Dollar im Abo – von dem Apple 30% Provision behielt. The Daily beschäftigte über 100 Journalisten und kostete Murdoch etwa 500.000 US-Dollar pro Woche.

Die Zeitung konnte aber nur rund 100.000 zahlende Leser gewinnen – zu wenig für einen dauerhaften Betrieb. Die Gründe waren vielfältig: Obwohl 2012 auch eine Android-Version erschien, brauchte zunächst jeder Leser ein iPad. Zudem unterschied sich die Qualität der Artikel nicht so sehr von der kostenloser Online-Zeitungen und eine Ausgabe konnte schon mal über 1 Gigabyte groß sein und musste komplett heruntergeladen werden.
Am 15. Dezember 2012 wurde The Daily offiziell eingestellt.
Wichtige Weichenstellung für die Medienlandschaft
Rupert Murdoch behauptete, trotz der Einstellung von The Daily viel bei diesem Experiment einer digitalen Tageszeitung gelernt zu haben. Es sei wichtig gewesen, die Möglichkeiten digitaler Geräte zu nutzen und die Inhalte auch auf den sozialen Medien zu verbreiten. Nach The Daily stellten auch viele andere große Zeitungsverlage auf digitale Abos um und verwenden heute häufig Paywalls, um besondere Artikel nur zahlenden Kunden zur Verfügung zu stellen.
Wie 2011 ist auch die Medienlandschaft heute im Umbruch. Die KI bedroht die bisherigen Geschäftsmodelle und es ist wieder an der Zeit, passende Lösungen zu finden. In-App-Abos können auch jetzt für viele Publisher ein Weg sein, hochwertige Inhalte vor den Bots zu schützen und zahlenden Lesern einen Mehrwert zu bieten.
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