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Übersetzer-Verband kritisiert Jobs-Buch

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Zugegeben, auch wir sind bei der Lektüre der Steve-Jobs-Biografie über viele holprige Satzkonstruktionen und seltsame Formulierungen gestolpert. Geschuldet ist dies vermutlich der eiligen Erst-Übersetzung des amerikanischen Originalmanuskripts. Und genau das kritisiert nun auch der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer.

„Wie kann so etwas passieren, in einem der größten Verlage der Welt bei der ,Veröffentlichung des Jahres‘, fragt der BDÜ. Und nennt gleich ein Beispiel für einen merkwürdigen Satz:

„Für Steve Jobs beginnt der Aufstieg zum strahlenden Olymp der Erfinder mit dem Bericht über zwei Elternpaare und die Kindheit in einem Tal, das gerade lernte, wie man Silikon in Gold verwandelt.“

Problem: Nicht Silicone Valley, das Zentrum der kalifornischen Porno-Industrie ist gemeint, sondern natürlich Silicon Valley (Silicon von Silizium, und nicht von Silikon…).

Der BDÜ erklärt dazu:

„Kein halbwegs versierter technischer Übersetzer würde darüber stolpern. Ich vermute, dass bei der Übertragung ins Deutsche großer Zeitdruck herrschte. Die ungewöhnlich hohe Zahl von sechs Übersetzern ist ein Indiz dafür.“

Weitere Kostprobe aus dem Buch:

„Einmal brachten wir unter dem Stuhl unserer Lehrerin Mrs. Thurman Sprengstoff an. Das hat sie wirklich fertiggemacht.“

Gemeint war von Autor Isaacson ein Knallkörper. Berichtigte Frage des BDÜ:

Die Technik-Ikone, der iGod befestigte Sprengstoff am Stuhl seiner Lehrerin? Und er zündete die Ladung sogar? Und warum musste er nicht den Rest seines Lebens in einem Hochsicherheitstrakt verbringen?

Fazit des Übersetzer-Verbandes:

„Und was finden wir im Ergebnis vor? Bei der Lektüre der deutschen Fassung muss sich der Leser durch lange Bandwurmsätze quälen. Der Stil wirkt abgehackt. Zu oft wurde einfach nur wörtlich übersetzt. Satz steht neben Satz. Ein stilistisch schöner Fluss aufgeschriebener Gedanken bleibt Fehlanzeige. Die Steve Jobs-Biografie macht uns sehr deutlich bewusst, dass zwischen uns als Leser und dem Autor noch eine weitere, ungemein wichtige Instanz steht: der Übersetzer. (…) Das Aufteilen von Übersetzungsarbeiten bleibt aber immer zweite Wahl.“

Hoffnung besteht allerdings. In der 2. Auflage des Buches wurde der Silikon-Fauxpas korrigiert. Die holprigen Sätze allerdings tauchen weiterhin auf.

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