iTopnews-Test: Meine erste Woche mit dem iPhone X

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Eine Woche mit dem iPhone X. Eine Bilanz von iTopnews-Chefredakteur Michael.

Apple macht uns doch ein X für ein U vor. Oder: Du schon wieder! Du kaufst das neue iPhone auch, wenn es 2000 Euro kostet. Mit solchen unglaublich lustigen Sprüchen bin ich in der letzten Woche – so oder so ähnlich – immer wieder mal konfroniert worden – einerseits.

Andererseits: Hey, Du hast schon das neue iPhone X? Kann ich mal vorbeikommen und es anschauen? Und dann: Oh, das ist ja wirklich chic. Ui, die Rückseite: edel, edel.

Das iPhone X lässt niemanden kalt. Aber ist es wirklich der ganz große Wurf?

Ich habe mich in der vergangenen Woche intensiv mit dem neuen X beschäftigt. Mit den inzwischen hinlänglich bekannten Specs will ich Euch nicht langweilen. Von daher sind dies eher persönliche, subjektive Eindrücke. Die Euch kein iPhone-X-Datenlexikon an die Hand geben, sondern Euch die Frage beantworten helfen könnten, ob Ihr wirklich 1149 Euro für das X ausgeben wollt. Oder ob Ihr sogar – wie ich – auf das 256 GB für 1319 Euro setzt.

Die erste Begegnung

Alles wie immer. Apple hat dem X keine besondere Verpackung spendiert, es liegt dem X auch kein Tim-Cook-Autogramm mit persönlicher Widmung für den Käufer dabei. Es werden auch keine AirPods mitgeliefert, es gab ja mal diese Gerüchte. Daran habe ich nie geglaubt. Ich besitze die AirPods ohnehin schon seit Monaten. Das Unboxing ist also unspektakulär, das Gerät selbst nicht…

Das Design

Bisher habe ich mir jedes iPhone in schwarz/spacegrau/diamantschwarz gekauft. Diesmal ist das anders. Ich habe mich für die silberne Variante entschieden. Der glänzende Rahmen und die Rückseite des silbernen Modells haben mich dazu verleitet. Und ich bereue es nicht. Jony Ives Design-Abteilung hat ganze Arbeit geleistet. Optisch für meinen Geschmack das bisher beste iPhone, und da können sich die Designer von Samsung und HTC noch so bemühen, da kommen sie bisher nicht ran.

Und der/die/das Notch? Welcher Notch (längst „übersehen“ und somit verschwunden).

Das Gewicht

Ja, das Gewicht. 174 Gramm. Ohne Hülle. Zuletzt hatte ich das iPhone 7 Plus in Gebrauch (188 Gramm/14 Gramm mehr). Gefühlt wiegt das iPhone X mehr ((ich hab übrigens seit dem Kauf des iPhone 7 Plus abgenommen, nur fürs Protokoll, liebe Leute). Das iPhone X dennoch schwerer? Eine Täuschung, aber der Eindruck hat sich bei mir nach sieben Tagen eher verfestigt. Es mag einfach am neu verbauten Glas liegen.

Die Größe

Mit 5,8 Zoll ist das iPhone X das Modell mit dem größten Bildschirm, den Apple je in einem iPhone verbaute. Dabei steckt das brillante OLED-Display, von Apple Super-Retina-HD-Display genannt, in einem Gehäuse, welches kaum größer ist als beim iPhone 7 oder auch iPhone 8.

Als ehemaliger iPhone-7-Plus-Nutzer erscheint mir das langgestreckte Display doch etwas kleiner – dachte ich zunächst. Doch inzwischen hat es sich, nicht gleich am Anfang, aber nach drei, vier Tagen, als die (für mich) ideale Größe rausgestellt. Und es passt wieder locker in die Hosentasche (muss nur noch eine Folie aufkleben, bald, gestern ist es mir schon aus der Hand gefallen, und konnte mit der zweiten Hand – in Manuel-Neuer-Manier – noch aufgefangen werden…).

Face ID – und kein Home Button

Ich hatte vorher nur den einen Wunsch: Bitte kein Touch ID auf der Rückseite des neuen iPhones, Apple! Die Angst war unbegründet. Es gibt überhaupt keinen Fingerabdrucksensor mehr.

Die Face-ID-Einrichtung geht flott und problemlos von der Hand. Selbst bei dem Gesicht…;-)

Face ID, da habe ich keinen Zweifel, ist die Zukunft. Auch beim nächsten iPad. Später beim Mac. Und während die Konkurrenz ja auch mit Gesichtserkennung – nunja – experiment, so lässt sich über das iPhone X sagen: HIER funktioniert es. Wie in der Regel immer bei Apple: Das Unternehmen erfindet keine neue Technik, sondern verfeinert sie so, dass sie keine Probleme macht und alles klappt. Lieber ein paar Monaten warten, dann aber richtig.

Die Umgewöhnungszeit vom Home Button mit Touch ID zu Face ID: nicht mal ein paar Stunden. In den letzten sieben Tagen, ich habe extra eine Strichliste führen wollen, habe ich exakt fünf Mal auf einen Home Button gedrückt, den es gar nicht mehr gibt. Also auf die Stelle, wo der Home Button früher war. Fünfmal in sieben Tagen, das sagt alles. Nach zehn Jahren mit Home Button Face ID innerhalb von so kurzer Zeit verinnerlicht: Dann muss Apple bei einem so großen Übergang alles richtig gemacht haben.

Und wer Face ID im Orwellschen Sinn eher gruselig findet, der deaktiviert die Gesichtserkennung eben, setzt auf den altbekannten Zahlencode. Ich bleibe bei Face ID, das ja auch unter Sicherheitsaspekten vertrauenswürdig erscheint: Eure Gesichtsdaten liegen nur lokal auf dem Gerät, nicht aber auf Apples Servern.

Was ich noch anmerken sollte: Ein von mir geschätztes tägliches Arbeitszenario klappt mit Face ID nicht mehr so gut. Sehr häufig, wenn ich Artikel am MacBook Pro verfasse, lag das iPhone links neben mir. Um zwischendurch mal kurz die neuesten Notifications zu sehen, genügte bei dunklem Bildschirm ein Fingertipp auf den ehemaligen Home Button. Ist der Bildschirm jetzt gesperrt, muss ich das auf der Seite liegende iPhone (das aufgrund der Kamera-Ausbuchtung übrigens nicht plan auf einem Tisch liegt, es sei denn, Ihr kauft Euch ein etwas dickeres Case!) erst kurz in die Hand nehmen, es mit Face ID entsperren. Ein kurzer Umweg, schade. Aber eine seitliche Gesichtserkennung funktioniert eben noch nicht, ich werd’s verkraften.

Die neuen Wischgesten

Ein kurzes Tutorial weist iPhone-X-Nutzern zum Start den Weg. Eigentlich wollte ich mir erst eine Grafik auf den Schreibtisch legen. Wie wische von wo nach wo und warum? – doch auch das war nicht nötig. Die Gesten, die Apple nun fordert, sind logisch und nachvollziehbar und ruckzuck verinnerlicht.

Die Kamera

Ich habe mich längst von Systemkameras verabschiedet. Schon seit mehreren Jahren ist das iPhone meine einzige Kamera. Zahlreiche Profifotografen haben in der Vergangenheit und jetzt zum X-Start demonstriert, wie Apple die Kamera über die Jahre hinweg immer weiter verfeinert hat. Auch die X-Kamera-Einheit ist noch einmal ein gewaltiger Sprung nach vorn. Vor allem in Situationen mit schlechter Beleuchtung, wie zum Beispiel bei Konzerten, hat mich die X-Kamera überzeugt.

Die Apps

Aktuell das einzige Ärgernis für mich. Gut, täglich gibt es zahlreiche Updates beliebter Apps mit X-Support. Doch die große Masse fehlt noch. Unverständlich, dass renommierte Entwicklerschmieden es bis heute nicht geschafft haben, ihre Apps an das X-Display anzupassen. Wir haben die iTopnews-App schon vor Wochen an das X angepasst, aber bei vielen meiner häufig genutzten Apps werde ich aktuell noch großen schwarzen Balken oben und unten genervt. Dabei hatte Apple Entwickler mehrfach per Mail aufgefordert, die Anpassungen für das X vorzunehmen. Ärgerlich!

Die Animojis

Zunächst war ich skeptisch. Bei der ersten Präsentation hielt ich die witzigen Animationen noch für eine Spielerei. Das machst du einmal, zweimal und dann nie wieder – soweit der erste Gedanke. Inzwischen muss ich mir schon anhören, ich hätte „heute noch gar keine Animojis“ verschickt. „Wann kommen denn wieder welche?“ Sicher lässt sich trefflich über animierte Kackhaufen streiten: Aber in der letzten Woche hat sich bei mir gezeigt, dass Apple einen Nerv getroffen hat. Nach Emojis und Stickern sind Animojis offensichtlich das nächste große Ding. Und ich erwische mich immer wieder dabei, statt normalem Text Animoji zu versenden.

Das kabellose Laden

Und dann wäre da noch das kabellose Aufladen. Die ersten Ladematten von Belkin und Mophie enttäuschen. Das Aufladen ist einfach zu langsam. Inzwischen lade ich für eine Schnell-Aufladung via MacBook-Pro-Ladeblock und USB-C-zu-Lightning-Kabel. 50 Prozent in 30 Minuten. Aber ich wühle mich gerade durch die Testmuster der kabellosen Ladestationen und werde in Kürze zu meinem aktuellen Favoriten, der tatsächlich schneller lädt, noch einen separaten Artikel verfassen.

Der Preis

Siehe oben. Die einen schäumen, die anderen stellen sich in die Schlange und zahlen. Nicht zu wenige. Wie Apples extrem hohe Umsatzprognose für das Weihnachtsgeschäft (Oktober bis Dezember) nahelegt.

Ist so ein Preis von 1149 bis 1319 Euro jetzt unmoralisch? Es liegt immer im Auge des Betrachters. Es gibt Menschen, die wollen „das Beste“ kaufen und sind auch bereit dafür einen bestimmten Preis zu zahlen. „Das X ist zu teuer“ oder „Das X ist zu günstig“ – alles liegt im Auge des Betrachters. So gesehen gilt es zu respektieren, dass Menschen bereit sind, dafür bis zu 1319 Euro auszugeben.

Genauso wie es zu respektieren ist, dass es Menschen gibt, die niemals diese Summe für ein iPhone X ausgeben würden. Niemand wird gezwungen, es zu kaufen.

Das Fazit

Das iPhone X ist ein faszinierendes Stück Technik, und ich habe mich in der vergangenen Woche nicht einmal gefragt, ob es „diesen“ Preis wert ist. Dafür würde ich mir aber auch kein Auto für 60.000 Euro kaufen.

Natürlich könnt Ihr abwarten, bis das iPhone X in 8 Monaten im Preis fällt. Das iPhone 6s – auch ein sehr gutes Smartphone – gibt es jetzt bereits um rund 500 Euro. Aber dieses Abwarten wird jedes Jahr in die Diskussion geworfen. Insofern aus meiner Sicht müßig. Wenn Ihr Lust auf dieses neue iPhone X bekommen habt und es Euch leisten könnt, dann erwartet Euch das bisher beste iPhone, das Apple produziert.

Sollte nicht jedes Jahr das neue iPhone auch das bisher beste sein? Ja! Aber ich habe es nicht bereut, nicht auf den nächsten Herbst zu warten. Das X bereitet mir Freude und ich kann mir vorstellen, dass es Euch auch so gehen wird. Von daher ist das X aus meiner Sicht eine klare Kaufempfehlung.

(alle Fotos: Philipp Winkler für iTopnews.de)

Das neue iPhone X im iTopnews-Test
  • 10/10
    Benutzung - 10/10
  • 10/10
    Design - 10/10
  • 10/10
    Verarbeitung - 10/10
  • 8/10
    Preis/Leistung - 8/10
9.5/10

Das sagt iTopnews

Das neue iPhone X überzeugt in fast allen Bereichen und ist ein faszinierendes Stück Technik. Wir geben eine klare Kaufempfehlung.

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