Check it APP – heute: Unclutter für den Mac

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In unserer Rubrik Check it APP beleuchtet Lukas Hermann Apps und Software bis ins kleinste Detail. Heute: Unclutter for Mac.

Die „kleinen Helfer“ sind auf dem Mac oft die Programme, die dem durchschnittlichen Nutzer am besten gefallen, oft leider ohne, dass er selber weiß warum. Doch der Grund ist eigentlich sehr offensichtlich: gut ausgeklügelte Apps mit klarem, simplen UI wie beispielsweise nvALT für auf alle Rechner synchronisierte Notizen oder Dropbox, der Sharing-/Speicher-Dienst, der sowohl in jedem Browser, als auch im OS X selbst integriert ist, erweitern Systeme an Stellen, die vielleicht noch ausbaufähig sind, ohne groß aufzufallen.

Unclutter

Ein neuer Kandidat in dieser Kategorie ist das Programm Unclutter von Software Ambience Corp., den Entwicklern des (sehr hilfreichen) Festplattenüberwachers DaisyDisk. Unclutter stellt sich der Aufgabe, OS X von temporär benötigten Dateien und Informationen zu reinigen, die ansonsten negativen Einfluss auf ein ordentliches Dateisystem nehmen könnten. Es nistet sich hinter der Menüleiste ein und kommt zum Vorschein, wenn man es braucht: Via verschiedener Mausgesten oder wahlweise einem frei definierbaren Tastaturkürzel kann die ca. ein Viertel bis ein Drittel des Bildschirms einnehmende Oberfläche von Unclutter aufgerufen werden (über den gleichen Weg verschwindet sie nach Benutzen selbstverständlich auch wieder). Die Trigger-Gesten und -Kürzel für diese Aktion können über das Icon der App in der Systemleiste eingestellt werden. Darunter fallen nette Scrollgesten wie beispielsweise das Herunterscrollen während sich der Cursor am oberen Bildschirmrand befindet. Falls jemand kein Icon nach Installation als das von Unclutter identifizieren kann: es ist das Piktogramm, welches wie ein seltsamer Hybrid aus Pfeil und Hosentasche aussieht. Nur damit keine Verwirrung entsteht.

Unclutter Ansicht

Was beim Triggern von Unclutter seicht eingeblendet wird, ist ein dreiteiliges, blaugrau hinterlegtes Overlay-Interface mit den drei Funktionsreitern „Files“, „Notes“ und Clipboard. Bevor ich dessen Funktionen beschreibe, noch ein kurzer Einwurf meinerseits: ich finde es immer wieder erschreckend, wieviele Appentwickler nur auf den englischsprachigen Markt fokussiert sind. Obwohl Unclutter (wie der, zugegebenermaßen elegante und nicht zu ändernde englischsprachige Programmname auch klarmacht) wahrhaft nicht viele Interfaceelemente und Einstellungsoptionen bietet (eigentlich keine, daher werde ich diese nachher auch kaum anreißen), gibt es das Programm nur in englischer Sprache zu kaufen. Eine deutschsprachige Version hätte (pessimistisch geschätzt) in der Entwicklung weniger als eine Woche Zeit in Anspruch genommen und viele deutsche Käufer ansprechen können, welche bekanntlich nicht den kleinste Markt darstellen. Unclutter gleicht diesen Defizit bei der detaillierten Arbeit durch seine Funktionen glücklicherweise ziemlich gut aus. Das Programm ist im Grunde eine erweiterte Zwischenablage für Dateien und Text. Der „Clipboard“-Bereich ganz rechts zeigt immer die zuletzt kopierten, also aktuell in der Zwischenablage befindlichen (Text-)Inhalte an und bietet die sehr vorteilhafte Möglichkeit, diese per Maus und Tastatur mit Text zu ergänzen oder welchen zu entfernen und das Ergebnis — logischerweise ohne erneutes „cmd+c“ in das gewünschte Zielprogramm einzufügen.

Unclutter Screenshot

Der „Notes“-Bereich ist genau das, was sein Titel aussagt: ein kleiner Notizblock für Gedanken und Erinnerungen, die es wert sind (oder nötig haben) in Schriftform eingetippt zu werden. Bei einer Sache muss man hier allerdings aufpassen: Sobald man in dem „Notes“-Reiter die Notizen via „cmd+c“ herauskopiert, wird dieser Inhalt auch in die (eventuelle noch mit wichtigen Dingen belegte) Zwischenablage, also in den „Clipboard“-Reiter eingefügt. Ich für meinen Teil habe daran beim ersten Austesten von Unclutter nicht gedacht und erlebte einen kleinen unangenehmen Zwischenfall, der in langem Durchforsten meines Safari-Verlaufs endete. Der dritte Reiter, „Files“, ist eine Zwischenablage für temporär benötigte Dateien, wie zum Beispiel eine Sammlung Bilddateien, die über das System verteilt gespeichert sind und die man beim Erstellen eines PDF-Layouts einbinden möchte oder heruntergeladene Dokumente, die man kurz einsehen und anschließend wieder löschen will. Unclutter referenziert hier wahlweise auf den Standard-Speicherplatz des jeweiligen Dokumentes oder kopiert sie in einen neuen, frei wählbaren Ort des Systems, solange man sie in der App behält. Klickt man auf die Dateien im „Files“-Reiter, öffnet OS X sie in den für sie vorgesehenen Standardprogrammen.

unclutter prefs 

Weitere Annehmlichkeiten von Unclutter: Jeder einzelne dieser Reiter kann per Drag&Drop aus der Benutzeroberfläche hinausgenommen und über allen OS X-Fenstern als Referenz o.ä. angezeigt werden. Das Design sowohl des Hauptfensters und der einzelnen, herausgenommenen Panels ist klar, farblich gut unterscheidbar und funktioniert tadellos (auch auf Retina-MacBooks). Des weiteren können die Einstellungen für die Kürzel, deren Triggerdauer und die Panele auch über ein nett animiertes rotes „Band“ unter dem Unclutter-UI aufgerufen werden, sodass man nicht zwingend das (wie ich noch einmal betonen möchte) seltsame Menü-Icon in der Systemleiste haben möchte. Was natürlich auch zu dem oben erwähnten Verschwinden in der normalen Systemumgebung beiträgt. 

Zugegeben, ich bin nicht wirklich der Typ für Unclutter, was aber primär daran liegt, dass ich Notizen (auch von Dingen, die ich in die Zwischenablage kopiere) lieber auf Zetteln mache und mein OS X auf meinem MacBook Air (das ich als Hauptrechner verwende) durch die Integration von iCloud und Dropbox sehr aufgeräumt ist und ich daher keinen Zwischenspeicher für Dokumente und Dateien benötige. Allerdings sehe ich den Vorteil von Unclutter für Mac-Nutzer, die zum Beispiel die Notizen-App von Apple nutzen (und sie immer erst neu starten müssen, bevor sie sie verwenden) oder ein großes, unübersichtlicheres System mit vielen verschiedenen Dokumententypen haben, durchaus. Die App kann viele Arbeitsabläufe erweitern und/oder einfacher gestalten.

Unclutter full view

Einziges eventuelles Problem (neben der Sache mit der nicht vorhandenen Übersetzung ins Deutsche) an der ganzen Sache ist in meinen Augen der Preis der App. Ich halte 4,49 Euro bei einer App, die viele Kaufentscheidungen über das „Ich-probier-das-einfach-mal-aus-denn-es-ist-ja-nicht-wirklich-teuer“-Argument generieren wird für einen Tick zu hoch angesetzt. Ein Preis von 2,99 Euro (ca. $3,99) würde sowohl im Bezug auf ebenjenes Kaufargument als auch hinsichtlich des limitierten Funktionsumfang von Uncluttter wahrscheinlich besser passen. Eine weitere wünschenswerte Funktion, die zugegebenermaßen bei Entwicklern (immer noch) auf große Implementierungsprobleme stößt, wäre ein Unclutter-Sync über iCloud, sodass Notizen, Zwischenablage und sogar Dateien (über AirDrop-artige Funktionen) im lokalen Netzwerk geteilt werden können. Ansonsten aber kann Unclutter eine wünschenswerte Erweiterung der alltäglichen Abläufe unter Mac OS X sein, und sollte — sofern man in einer der drei Funktionen einen wirklichen Nutzen für sich sieht — zumindest einmal ausprobiert werden.

Unclutter
Produktivität
(83)
4.7 MB
21,99 €
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